Fantasie und Angst in der magischen Phase

Mädchen mit Angst vor Gespenstern zusammen mit ihrem Teddybär.

Vorschulkinder verfügen oft über eine blühende Fantasie: Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Vorstellungen ist noch nicht wirklich gesetzt. Dies kann zu Ängsten führen.

von Redaktion Eltern Club Schweiz 1

Im Alter von etwa vier bis acht Jahren erleben Kinder die Welt aus einer stark magischen Sichtweise: Sie stellen sich geheimnisvolle Wesen vor, die Wünsche erfüllen, in der Not helfen und bei ihnen sind, wenn sie sich allein fühlen. Feen, Schutzengel, Kobolde, Zwerge: Sie sind für das Kind lebendig – und es braucht diese Fantasien, um die Wirklichkeit zu bewältigen und seine vielfältigen Gefühle zu ordnen. Das Kind erlebt diese Wesen oft als allgegenwärtig, körperhaft, «immer da».

Angst machende Fantasiefiguren

Diese ständige Anwesenheit kann von einzelnen Kindern als unangenehm, ja sogar als bedrohlich empfunden werden. Vor allem in der Dunkelheit wecken sie manchmal Ängste. So kann zum Beispiel «das Krokodil unter dem Bett» plötzlich mitten in der Nacht erwachen. Gefährliche «Monster» und «Gespenster» besuchen das Kind in der Nacht. Es ist wichtig, dass Ihr Kind weiss, dass solche Fantasiefiguren keine Macht über es haben, dass es sie «bannen» kann. Sie können es dabei mit tatkräftigen Aktionen unterstützen.

Ängste ernst nehmen

Nehmen Sie Ihr Kind mit seinen Vorstellungen ernst. Missbrauchen Sie den Glauben Ihres Kindes nie und machen Sie ihm keine Angst damit. Versuchen Sie, Ihrem Kind diese magischen Vorstellungen nicht auszureden mit Worten wie: «Das bildest du dir nur ein» oder «So etwas gibt es gar nicht». Erstens ist die Angst des Kindes trotzdem weiterhin vorhanden, weil in seiner Wirklichkeit «das Krokodil» oder «das Monster» bestehen bleibt oder nachts erscheint, zweitens fühlt es sich unverstanden und drittens können Sie ihm mit Gesprächen helfen, eigene hilfreiche Wege zu finden, seinen Ängsten zu begegnen.

Was tun gegen Gespensterängste?

  • Machen Sie mit Ihrem Kind einen Rundgang durch sein Zimmer, sprechen Sie mit der imaginären Figur, sperren Sie «das Krokodil» oder «das Monster» ein oder und schicken Sie es fort.

  • Geben Sie Ihrem Kind einen Bären oder ein anderes Plüschtier als «Beschützer» mit ins Bett. Vielleicht hilft auch ein Zauberstab, mit dem das Kind diese Figuren fortschicken kann.

  • Sie können zusammen einen Traum- oder Angstfresser basteln, der ungebetene Gäste verschwinden lässt.

  • Schauen Sie – zum Beispiel mit der Taschenlampe – gemeinsam in alle dunklen Ecken und stochern Sie zur Sicherheit mit einem Besen nach.

  • Stellen Sie etwas Monsterfutter in einem Schälchen vor die Haustüre. Dann kommen sie gar nicht mehr ins Haus...

  • Geister hassen «Gespensterspray»: Zerstäuberflasche mit Wasser und einigen Tropfen Duft füllen und vor dem Schlafengehen zwei, drei Spritzer im Kinderzimmer versprühen – und weg sind sie!

  • Auch Nachtlämpchen, ein Spaltbreit Licht vom Gang her und natürlich Kuscheltiere halten unangenehme Nachtgestalten vom Kinderbett fern. 

  • Wenn Schreckgestalten das Kind bis in die Träume hinein verfolgen und es weinend aufwacht, helfen beruhigende Umarmungen der Eltern – und Schutzengel jeglicher Form im, neben oder über dem Bett.

  • Schreckliche Monster kann man auch malen oder kneten, ausgiebig und schaudernd bewundern und dann auf Nimmerwiedersehen vertreiben, zum Beispiel, indem Zeichnungen in zig Stücke zerrissen werden.

  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was ihm gut tun könnte. Manchmal hilft schon ein einfaches Tiefdurchatmen, ein gesummtes Lied, mit sich selber reden. Kinder finden oft eigene Strategien gegen die Angst.

1Kommentare

  • DeniseB
    sagte am 05.08.2012 um 16:26 h:

    Zu diesem Thema kann ich folgende zwei Bücher sehr empfehlen:

    • „Die magischen Jahre“ von Selma Fraiberg

    Ein Einblick in die Wahrnehmung des Kindes, an welche wir uns selbst kaum mehr erinnern können; an diese frühe, entscheidende Zeit einer magischen Welterfahrung.

    Und doch ahnen wir, dass genau während diesem Zeitraum Ängste, Probleme und Verhaltensweisen entstanden sind, die uns in der Persönlichkeitsentwicklung begleiteten und beeinflussten.  

    --> Für ein vertiefteres Verständnis einer prägenden Phase in der frühen Kindheit.

     

    • „Kinder brauchen Märchen“, von Bruno Bettelheim

    In diesem Buch wird unter anderem der Bezug zur Identifikation dargestellt, welchen die Kinder zur Heldenperson herstellen. So manche Märchenfigur durchgeht einen Weg mit Prüfungen, die sie zu bestehen hat, um dann erlöst oder belohnt zu werden.

    So durchleben auch Kinder täglich auf ihrem Weg in die Selbständigkeit Prüfungen, die für sie nicht immer einfach zu lösen sind. Aus Märchen können Kinder Kraft und Mut schöpfen, sich jedoch auch bestätigt und verstanden fühlen. Vertrauen dürfen Kinder gewinnen, da die Märchen immer im Guten enden und dem Kind somit Zuversicht vermitteln, an seine Stärken, Fähigkeiten und sich selbst zu glauben.

       

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