Für die Kinder mag die erste Reise ein grosses Abenteuer sein, für die Eltern eher ein banges Erlebnis. Doch wenn man sich gemeinsam mit dem Sohn oder der Tochter auf die Reise vorbereitet, gehört nur noch eine grosse Portion Mut dazu - beiderseits, wohlgemerkt - und das gewagte Erlebnis wird zur wertvollen Erfahrung. Das Kind lernt, selbstständig zu sein, zu planen und sich durchzusetzen. Auch für die Eltern hat dies Vorteile: ihre Unterstützung im Alltag wird nach der Rückkehr womöglich mehr geschätzt, und während der Zeit, in der das Kind in den Ferien ist, haben auch die Eltern füreinander mehr Zeit.
Erste Schritte
Gesetzlich gesehen gibt es kein Mindestalter für Kinder, um alleine zu reisen. Wichtig ist, dass das Kind diesen Zeitpunkt selber bestimmt. Statt direkt alleine ins Ausland zu reisen, bieten sich als erste Gehversuche organisierte Lager an, sei dies ein Sportcamp, ein Sprachaufenthalt oder eine Reise mit der Kirche. Auf Feriencamps.ch gibt es verschiedene, oft bildungsorientierte Angebote, von Abenteuerlagern im Berner Oberland bis zu klassischen Sommercamps in den USA.
Der Rotary-Club bietet internationale Jugendaustausch-Programme an. Neben einem Jahresaustausch oder mehrwöchigen Camps können Kinder auch drei bis vier Wochen in einer Gastfamilie im Ausland verbringen. "Das Hauptziel ist der kulturelle Austausch", erklärt Ursula Gervasi, Geschäftsführerin Rotary Jugendaustausch. Der anschliessende Gegenaustausch erlaubt es, sich zu revanchieren und einem oder mehreren Kindern der Gastfamilie die schönsten Seiten der Schweiz zu zeigen. "Es ist spannend, einem Südamerikaner, einer Australierin oder einem Taiwanesen das eigene Heimatland näher zu bringen", so Gervasi."
Mit dem Zug Europa entdecken
Wer keine Lust auf Lager hat, sondern lieber auf eigene Faust fremde Länder entdecken möchte, macht dies am einfachsten per Zug. Ohne komplizierte Check-ins mit langen Wartezeiten in unüberschaubaren Flughäfen können Ferien auf diese Weise unkompliziert und spontan verbracht werden. Bekannte Angebote gibt es von InterRail, wie zum Beispiel den Global Pass mit fünf Gültigkeitstagen innerhalb von 10 Tagen oder 10 Gültigkeitstagen innerhalb von 22 Tagen. Wer länger durch Europa reisen will, kann auch das fortlaufende Ticket für 15 beziehungsweise 22 Tage oder einen Monat wählen. Mit dem One Country Pass kann man ein Land während einem Monat an 3, 4, 6 oder 8 Gültigkeitstagen mit dem Zug bereisen.
Übernachtungsmöglichkeiten
Die günstigste und einfachste Variante ist, einen Schlafplatz in einer Jugendherberge zu buchen. Hier empfiehlt es sich, genau nachzufragen, was im Preis inbegriffen ist und was nicht. Oft sind nämlich Badetücher nur gegen Aufpreis erhältlich und es lohnt sich also, selber eines einzupacken. Um in den Gemeinschaftsduschen auf Hygiene achten zu können, bietet es sich an, Flipflops oder andere Hausschuhe aus Plastik mitzunehmen, die man auch unter der Dusche nicht ausziehen muss. Je nach Herberge sollte man zudem ein kleines Vorhängeschloss mitnehmen, um die Wertsachen in einem der dafür vorgesehenen Schränkchen einschliessen zu können.
Ein alternatives Konzept bietet die internationale Gemeinschaft „Couchsurfing“. Das Prinzip ist einfach: wer zu Hause ein freies Sofa oder ein Gästebett hat und zudem gerne neue Leute aus aller Welt kennen lernen möchte, kann auf der Couchsurfing-Plattform ein Profil einrichten und seine Dienste als Gastgeber anbieten. Personen, die in die jeweilige Stadt reisen, können somit kostenlos für eine oder mehrere Nächte beim Gastgeber übernachten und lernen zudem mit dem Einheimischen mehr als nur die Touristenattraktionen kennen. Ein sinnvoller Austausch, vor allem, wenn man auch „Untouristisches“ über ein Land erfahren möchte.
Und die Sicherheit?
Auch wenn Couchsurfing auf den ersten Blick nicht als die allersicherste Reisevariante erscheinen mag, so gibt es doch viele Sicherheitshinweise, die man vor dem Kontaktieren einer Person unbedingt beachten sollte. Für jede Person, die ein Profil hat, besteht die Möglichkeit, sich registrieren zu lassen. Mittels Kreditkarte wird die Adresse überprüft. Solche registrierte Gastgeber, die schon längere Zeit auf der Plattform sind, sollte man vorziehen. Zudem können ehemalige Couchsurfer einen Kommentar oder ein Feedback auf dem Profil des Gastgebers hinterlassen, der nicht löschbar ist. Es empfiehlt sich, diese Kommentare zu lesen, um mehr über den Gastgeber zu erfahren.
Als Grundregel gilt: nie alleine bei einer fremden Person übernachten, sondern am besten gemeinsam mit einem Freund. Mädchen sollten zudem bevorzugterweise weibliche Gastgeberinnen wählen. Und vielleicht schläft ja auch auf Ihrer Couch schon bald eine Kanadierin, ein Franzose oder ein Pärchen aus Schweden…?

