Im Jahr 1978 war es noch eine medizinische Sensation, als mit Louise Brown das erste Retortenbaby auf die Welt kam. Heute gehört die Invitrofertilisation (IVF) zur medizinischen Routine. Im Jahr 2010 liessen sich beinahe 6500 Frauen in der Schweiz künstlich befruchten. Trotzdem ist die IVF noch immer ein aufwändiges, teures Verfahren. Sie bietet für Paare, deren Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, eine grosse Chance, kann psychisch und physisch aber auch belastend sein.
Invitrofertilisation (IVF)
Die Invitrofertilisation (IVF) ist die künstliche Befruchtung im Reagenzglas. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, ist es dabei üblich, so viele Eizellen wie möglich zu befruchten. Da in einem natürlichen Zyklus meist nur eine Eizelle heranreift, wird der Eisprung medikamentös vorbereitet und ausgelöst. Zu diesem Zweck muss sich die Frau in den ersten rund zehn Tagen ihres Zyklus täglich Hormone spritzen oder spritzen lassen.
Die Hormonwerte und das Wachstum der Eizellen wird mit Blutentnahmen und Ultraschall engmaschig kontrolliert. Diese Kontrollen sind nötig, um den richtigen Zeitpunkt für die Auslösung des Eisprungs zu erwischen. Zudem können die Hormonspritzen bei einzelnen Frauen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Unterleibsschmerzen auslösen. Die sogenannte Überstimulation kann im Extremfall lebensbedrohlich sein, dann muss eine stationäre Behandlung erfolgen.
Meist am 10. oder 11. Tag der Stimulation spritzen die Ärzte das Hormon hCG, das den Eisprung auslöst. Ungefähr zwei Tage später folgt die Eizellentnahme. Unter Ultraschallkontrolle sticht der Arzt dabei mit einer feinen Nadel durch die Scheidenwand und punktiert den Eierstock. Zu den so gewonnenen Eizellen wird einige Stunden später das aufbereitete Sperma des Mannes hinzugegeben. Nach erfolgter Befruchtung bleibt der Embryo zwei bis drei Tage im Brutschrank.
Jene Embryonen, die sich am besten entwickelt haben, werden anschliessend in die Gebärmutter eingesetzt. Je mehr es sind, desto grösser ist die Chance auf eine Schwangerschaft. Laut Gesetz dürfen in der Schweiz allerdings nicht mehr als drei Eizellen zurückversetzt werden. Häufig beschränken sich die Ärzte auch auf zwei, um das Mehrlingsrisiko tief zu halten. Ungefähr zwanzig Prozent der IVF-Schwangerschaften sind Zwillinge.
Ein IVF-Zyklus kostet rund 5000 bis 6000 Franken. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Oftmals sind mehrere Behandlungszyklen nötig. Hat eine Frau im ersten Durchgang mehr befruchtete Eizellen als eingesetzt werden, können diese im Vorkernstadium tiefgefroren werden. In einem zweiten Zyklus entfällt dann die belastende Hormonstimulation und die Ärzte verwenden die aufgetauten befruchteten Eizellen.
Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Hat der Mann Probleme mit der Fruchtbarkeit, können Ärzte zusätzlich zur Invitrofertilisation auf die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) zurückgreifen. Spermien sind normalerweise sehr beweglich, damit sie den Weg von der Scheide bis in den Eierstock zurücklegen können, wo die befruchtungsfähige Eizelle wartet. Immer mehr Männer haben jedoch Spermien, die sich nur wenig oder gar nicht bewegen. So kann es nicht zu einer natürlichen Befruchtung kommen. Ist dies der Fall, können die Ärzte ein einzelnes Spermium in die Eizelle injizieren. Das geschieht ausserhalb des Körpers, weshalb sich die Frau einer Invitro-Behandlung unterziehen muss, auch wenn sie selbst auf natürlichem Weg schwanger werden könnte.
Immer wieder gibt es Vermutungen, mit ICSI gezeugte Kinder könnten anfälliger sein für gewisse Geburtsfehler. Eine aktuelle Studie aus Australien mit 300'000 Babys scheint diese Befürchtungen zu bestätigen. Während Kinder, die auf natürlichem Weg entstanden waren, in 5,8 Prozent der Fälle mit Geburtsfehlern zur Welt kamen, waren es bei den ICSI-Kindern 9,9 Prozent. Ob es daran liegt, dass die Ärzte ein einzelnes Spermium aussuchen und sich dieses nicht gegen unzählige andere hat durchsetzen müssen, ist noch unklar. Möglicherweise liegt es auch daran, dass die Spermien der betroffenen Männer allgemein eine schlechtere Qualität haben.


MaP
sagte am 23.05.2012 um 20:12 h:Mann muss es sich gut überlegen und alle Fakten kennen bevor man sich darauf einlässt. Ist kein einfacher Weg v.a. nicht für die Frau, also lasst Euch gut beraten!