Kinder lernen von und mit anderen Kindern

Kinder spielen draussen

Um sich zu entwickeln, sind für Kinder Beziehungen, Erfahrungen und Freundschaften mit anderen Kindern sehr wichtig. Erwachsene können diese Erfahrungen nicht ersetzen.

von Redaktion Eltern Club Schweiz 0

In den ersten Lebensjahren bewegen sich viele Kinder hauptsächlich im sicheren Netz der Familie. Im Zusammenleben mit Mutter, Vater und vielleicht auch den Geschwistern macht ein Kind täglich wichtige Erfahrungen. Es lernt, wie die anderen Familienmitglieder miteinander umgehen, worüber sie lachen, reden und streiten. Die Familie ist das erste Übungsfeld für den Umgang mit anderen Menschen, ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Genauso wesentlich ist es aber auch, mit anderen Kindern Zeit zu verbringen.

Spielend von- und miteinander lernen

Im gemeinsamen Spiel lernen Kinder ihre Wünsche anzumelden und sie auch zugunsten anderer zurückzustellen. Sie lernen, toleranter zu handeln und mehr Rücksicht zu nehmen. Sie lernen zu streiten und sich wieder zu versöhnen. Dadurch festigt sich ihre Selbständigkeit und sie lernen, sich in eine Gemeinschaft zu integrieren. Gerade im phantasievollen Rollenspiel machen Kinder gemeinsam wichtige soziale Erfahrungen. Sie entdecken spielerisch die Erwachsenenwelt und schlüpfen dabei immer wieder in neue Rollen, die ihre Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten erweitern.

Verlässliche Kontakte zu anderen Kindern

Erwachsene können Kindern diese Erfahrung nicht ersetzen. Sie können die Kinder jedoch unterstützen, indem sie Begegnungen mit anderen Kindern ermöglichen. Wichtig ist es dabei, dass die Kontakte beständig sind. Durch wiederkehrende Begegnungen können die Kinder ihr Miteinander besser üben. Durch kontinuierliche Begegnungen entstehen mit der Zeit vertraute Beziehungen und sogar Freundschaften. Treffen können sich die Kinder bei organisierten Spielnachmittagen, in Spielgruppen, Mütter- oder Väter-Treffs oder sie können sich gegenseitig zu sich nach Hause einladen.

Und wenn ein Kind sehr scheu ist?

Haben Sie dabei schon einmal beobachtet, wie Ihr Kind auf ein anderes Kind zugeht? Nicht jedem Kind fällt das leicht, für manche ist es völlig selbstverständlich, andere müssen sich innerlich erst einen mehr oder weniger grossen Schubs geben. Ist Ihr Kind eher zurückhaltend, so lassen Sie ihm Zeit. Es braucht Sie in seiner Nähe. Sie geben ihm die Sicherheit, die es braucht, um nach einer Weile aus eigener Initiative nach aussen zu treten und Kontakt aufzunehmen.

Es gibt Kinder, die brauchen in einer neuen Gruppe lange Zeit, bis sie am Gruppengeschehen aktiv teilnehmen oder sich erstmals trauen, auf ein anderes Kind zuzugehen. Zuerst einmal wird alles aus Distanz beobachtet, um sich dann schrittweise an Neues heranzutasten. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Kind viel Zeit braucht, bis es mit den anderen Kindern spielt - jedes Kind ist anders und zeigt in der Begegnung mit anderen Menschen unterschiedliches Verhalten. Sich ohne elterlichen Rückhalt selbständig zurechtzufinden, kann eine grosse Herausforderung sein.

Neue Verhaltensmuster

Es kann auch sein, dass ein Kind sich mit anderen Kindern anders verhält, als die Eltern es von zu Hause gewohnt sind. Dies kann insbesondere dann passieren, wenn ein Kind erstmals in eine organisierte Gruppe eintritt – in die Kindertagesstätte, die Spielgruppe oder den Kindergarten. Hat ein Kind Geschwister, so ist es vermutlich erstaunt darüber, dass eingespielte Muster plötzlich nicht mehr funktionieren. Rolle und Rang sind auf einmal in Frage gestellt – das Ältere ist zum Beispiel plötzlich das Jüngste in der Gruppe. Vielleicht ist ein Kind, dass zu Hause forsch und mutig ist, zusammen mit anderen Kindern erstaunlich zurückhaltend und schüchtern – oder umgekehrt: Ein eher ruhiges Kind wird in der Gruppe vielleicht plötzlich ganz aufgeweckt und übermütig?

Ein Kind bewegt sich in einer Gruppe von Gleichaltrigen in einer gänzlich anderen Umgebung als zu Hause. Hier gelten andere Regeln. Das Kind muss sich erst einmal orientieren und Verhaltensmuster suchen, die ihm helfen, seinen Platz zu finden.

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