Die Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts gelten als das Jahrzehnt des Gehirns. Bildgebende Verfahren ermöglichen es, das Gehirn beim Lernen am Bildschirm zu beobachten. Liebstes Forschungsobjekt der Neuro-Wissenschaft sind Kinder, weil ihre Gehirne noch flexibel sind.
Manche Erkenntnis wird dadurch gewonnen, dass die Kinderhirne mit kniffligen Fragen und Testaufgaben zum Arbeiten gebracht werden. Die Ergebnisse aus der Gehirnforschung können für das praktische Lernen im Alltag durchaus von Nutzen sein. So lässt sich beispielsweise auf den Bildschirmen verfolgen, dass das Gehirn von Kindern, wenn sie sich in der Schule langweilen, einschläft. Kurz auf den Nenner gebracht heisst das: Zuerst schläft das Gehirn, dann schläft der Schüler. Ganz anders sieht es aus, wenn Emotionen mit im Spiel sind: Nie lernt das Hirn schneller und aufmerksamer. Nichts von all dem wird Pädagogen überraschen. Die Hirnforschung bestätigt lediglich, was gute Lehrerinnen und Lehrer schon immer wussten: Das menschliche Gehirn ist kein Datenspeicher, sondern ein Wissensgenerator, es erzeugt Wissen selbst.
Das Gehirn ist etwa herausragend dazu in der Lage, Regeln aus (vielen) Beispielen zu bilden. Aha-Erlebnisse lassen sich nicht per Zwang verordnen. Was bedeutsam ist und was nicht, entscheidet nicht der Lehrer, sondern jedes Gehirn ganz alleine, und zwar auf Grund seiner eigenen Erfahrungen.
Wie und was ein Lehrer seinen Schülern allerdings beibringen soll, darüber gibt die Hirnforschung keine Antworten. In diesem Sinne sollte man von ihr keine Wunder erwarten. Das Buch «Lernen und Gehirn» zeigt die Chancen und Grenzen der Hirn-Wissenschaft aus Sicht von Wissenschaftlern und Pädagogen.
Dieser Text ist im Elternmagazin «Fritz+Fränzi» erschienen. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Bearbeitet und um Titel und Zwischentitel ergänzt durch die Redaktion des Eltern Club Schweiz.
