Schachspielen in der Jugend

Schach spielendes Mädchen

Konzentration, Ausdauer und logisches Denken sind im Schach zentral. Ronja spielt seit sieben Jahren und setzt die Gegner auf zunehmend höherem Niveau schachmatt.

von Raphaela Birrer / Fritz+Fränzi 0

Den Kopf auf die Arme gestützt, sitzt Ronja Stahl trotz dem regen Betrieb im Übungsraum ruhig da und denkt nach. Jeder Zug zählt – bereits durch eine kleine Nachlässigkeit kann das Spiel eine ungewollte Wende nehmen. Umringt von anderen jugendlichen Schachspielern, spielt sie die Züge nach, die sie kürzlich an einem Turnier gemacht und im Computer festgehalten hat. Gemeinsam besprechen sie im Training Strategien und Verbesserungsmöglichkeiten.

Genau das habe sie beim Schachspielen gelernt, fasst die 13-jährige Sekschülerin aus Wil SG später zusammen: «Lange still sitzen, sich konzentrieren, Situationen analysieren, wichtige von unwesentlichen Informationen filtern und dabei logisch überlegen.» Diese Eigenschaften seien auch in der Schule nützlich. Die Inhalte in Mathe oder Biologie könne sie mittlerweile gut abstrahieren, und sie erkenne schnell, welcher Stoff relevant sei.

Schach ist vielseitig

Schach fördere zwar das logische Denken und gelte daher als mathematisches Spiel, erzählt Ronjas Trainer Hans Karrer, aber es gebe sehr vielseitige Zugänge dazu: Für Kreative eigne sich das Spiel wegen der abwechslungsreichen Figurenkonstellationen, für Sportbegeisterte, weil Ausdauer und Wettkampfgeist wichtig seien, und für Strategen, weil die Interaktion mit dem Gegner und dessen Überlistung zentral seien.

Ihre Schach-Leidenschaft entdeckte Ronja mit sechs Jahren, als der Lehrer der Klasse das Spiel näherbrachte. Ronja begeisterte sich auf Anhieb dafür. Weil es mit der Zeit langweilig wurde, in der Pause immer gegen die gleichen Gegner zu spielen, entschied sie sich in der 2. Klasse, dem grössten Schweizer Jugendschachklub in Wil beizutreten. Seither hat sie viel geübt, an zahlreichen Turnieren teilgenommen und dadurch ihre Leistung kontinuierlich gesteigert. Der Titel als Vize-Mädchen-Schweizermeisterin ist ihr bisher grösster Erfolg.

Training im Jugendschachklub

Darauf angesprochen, winkt die 13-Jährige bescheiden ab: Beim Schachspielen gehe es ihr vor allem darum, Spass zu haben, sie verfolge keine spezifischen Ziele. So zählt für sie der gesellige Aspekt ihres Hobbys mehr als ihre beachtlichen Erfolge an den Turnieren. Das jährlich stattfindende Junioren- Schachlager mit rund 40 Teilnehmern aus der ganzen Schweiz sei für sie jeweils der Höhepunkt im Trainingsjahr. «Mir gefällt, dass in diesen Lagern das Zusammensein im Vordergrund steht», sagt Ronja.

Jedes zweite Wochenende spielt sie zudem an schweizweiten Turnieren. Ihre Stärke seien die Eröffnungen, erklärt sie. Durch geschicktes Platzieren der Figuren schaffe sie sich gute Ausgangslagen für die Spiele, die bis zu drei Stunden dauern. Zusätzlich zu den Turnieren besucht Ronja ein bis zwei Mal pro Woche das zweistündige Training des Jugendschachklubs, um Strategien zu üben und Turnierpartien nachzuspielen. Neben den anderen Hobbys – der Pfadi, dem Klavierspielen und der Jugendriege – bleibt ihr aber kaum Zeit, auch zu Hause Schach zu üben.

Bei regelmässigen Trainingsbesuchen sei dies allerdings auch nicht nötig, erklärt Hans Karrer. Ronja habe durch die jahrelange Kontinuität ein gutes Niveau erreicht. Ronja gefällt, dass sie beim Schachspielen vom Alltag abschalten und die Schule vergessen kann. Und so scheint es auch den anderen im Training zu ergehen, von den sechsjährigen Schülern bis zu den Lehrlingen. Umso mehr bedauert Ronja, dass nur wenige Mädchen Schach spielen. Zwar gebe es in ihrem Jugendschachklub mit 20 Prozent viele Mädchen, in zahlreichen Klubs aber spiele keines, vergleicht Hans Karrer.

Der ehemalige Jugendschachleiter begründet das damit, dass es in diesem Alter nicht interessant sei, als einziges Mädchen in einem Klub zu spielen. «Die Geschlechterdurchmischung ist sehr wichtig, damit sich auch Mädchen angesprochen fühlen», sagt Karrer. Generell sei die Nachfrage eher rückläufig; Schach gelte als Nischensportart. Beruflich hat Ronja klare Ziele: Sie möchte nach der Sek die Kantonsschule besuchen und sich zur Oberstufenlehrerin ausbilden. Dass sie beim Schachspielen gelernt hat, intensiv nachzudenken und Sachverhalte genau zu analysieren, wird ihr auf diesem Weg sicherlich zugutekommen.

Voraussetzungen:

 

Willen, sich auf ein neues und spezielles Hobby einzulassen. Sowohl lebendige als auch ruhige Kinder und Jugendliche finden einen Zugang zum Spiel.

 

Ausrüstung und Kosten:

 

Zur Grundausrüstung gehören ein Schachbrett in Turniergrösse (ca. 45 Franken), das vierteilige Computerprogramm «Fritz&Fertig» für Kinder und Jugendliche (je 30 Euro) und das Schachlehrbuch «Stufenmethode» für junge Spieler (ca. Fr. 7.50 pro Heft). Die Klubmitgliedschaft kostet bei Sprengschach Wil 100 Franken pro Jahr; die Beiträge variieren jedoch je nach Klub.

 

Dieser Text ist im Elternmagazin «Fritz+Fränzi» erschienen. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Bearbeitet und um Titel und Zwischentitel ergänzt durch die Redaktion des Eltern Club Schweiz.

Suchen in

Themen und Lebensphasen-

Lokale Suche+

Quelle

Buchtipp

Lang lebe die Königin!

Verlag Freies Geistesleben, Esme Lammers