Sinneseindrücke dosieren

Vater schwingt lachend Tochter durch die Luft

Täglich prasseln zahlreiche Eindrücke auf ein Kind ein. Sinnliches Erleben ist wichtig. Trotzdem sollte das Kind weder zu wenigen noch zu vielen Reizen ausgesetzt sein. Ein dosierter Umgang mit Reizüberflutung will gelernt sein.

von Redaktion Eltern Club Schweiz 0

In ihrem sinnlichen Erleben sind Kinder oftmals masslos. Beim Malen oder Basteln wird nicht bloss das Blatt zum Kunstwerk, sondern auch die mit Farb- und Leimtupfen angereicherten Kleider. Oft gestaltet sich das Spiel laut und ausgelassen, denn «Lärmen» macht einfach Spass. Sollen Eltern dies zulassen oder verbieten?

Toleranz für die Sinnlichkeit des Kindes

Tag für Tag wird die Toleranzgrenze von Eltern neu herausgefordert. Aktiv tätige Kinder hinterlassen in der Wohnung unübersehbare Spuren von Unordnung. Einfühlungsvermögen und Geduld für die Sinnlichkeit Ihres Kindes aufzubringen, gelingt nicht in jeder Situation. Überlegen Sie sich jedoch in einem ruhigen Moment, ob es eingespielte Regeln und Verbote gibt, welche - aus einem «sinnlichen» Blickwinkel betrachtet - neu formuliert werden könnten. Es bringt nicht viel, wenn sich Kinder in einer perfekt aufgeräumten Wohnung nicht bewegen dürfen, sich langweilen und demzufolge die Nerven ihrer Eltern strapazieren.

Eine Flut an Sinnesreizen

Ein grosses Warenhaus stellt eine Flut an Sinnesreizen dar. Den Augen präsentiert sich ein Produktemeer an Farben, Formen, Grössen und Sorten. Unablässig sind Stimmen zu hören. Aus den Lautsprechern wird man durch verkaufsfördernde Musik berieselt und zwischendurch auf vielversprechende Angebote aufmerksam gemacht. Die Nase befindet sich in einem Wechselbad von verführerischen Düften oder Gerüchen, welche einen die Nase rümpfen lassen. Kein Wunder, dass nicht nur Mütter und Väter nach einem ausgiebigen Einkaufsbummel ausgepumpt und müde sind. Warenhäuser geizen nicht mit ihren Reizen und fordern die Wahrnehmung immer wieder neu heraus.

Sich der ständigen Berieselung entziehen

Die Empfänglichkeit für Reize ist beim Menschen unterschiedlich. Im Laufe der Zeit haben die meisten Erwachsenen gelernt, sich der Berieselung zu entziehen oder zumindest das herauszufiltern, was wirklich reizt. Wie sieht es bei kleinen Kindern aus? Vieles ist neu, ungewohnt, interessant und faszinierend. Ein «Zuviel» an Berieselung kann zu Übersättigung und Überforderung führen. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, mangelnde Aufmerksamkeit, Ausdauer oder auch Aggression sind mögliche Folgen.

Zeit zum Spielen und Verweilen

Aufmerksam bleiben und sich beim Einkaufsbummel, im Strassenverkehr, auf einem grossen Fest oder auf einer Reise stets vergegenwärtigen, wie viele unterschiedliche Sinneseindrücke ein Kind verarbeiten muss. Auch zu Hause sollten das Radio oder der Fernseher nicht ständig eingeschaltet sein.

Zur Sinnesverarbeitung benötigt das Kind immer wieder Zeit und Ruhe. Auf Momente der «Spannung» sollten stets Phasen der «Entspannung» folgen. Kinder benötigen nicht pausenlos neue Angebote, sondern Zeit zum Spielen, Verweilen und Sich-selber-Sein.

Tipps für Ruhepausen im Alltag:

  • Klar strukturierte und regelmässige Tagesabläufe geben Ruhe und erleichtern die Orientierung.
     
  • Wiederkehrende Rituale (z.B. ein Lied singen beim Aufstehen, eine Kassette nach dem Mittagessen anhören oder eine Geschichte vor dem Schlafengehen erzählen) sowie wenige, aber klare und konsequent eingehaltene Regeln geben Sicherheit und Struktur.
     
  • Viel Bewegung an der frischen Luft schafft Spannung und Entspannung (z.B. gemeinsam als Familie auf den Vitaparcours gehen, da haben auch kleine Kinder ihren Spass daran).
     
  • Lieber weniger als mehr – das gilt auch für Freizeitangebote, Kurse, Spielsachen etc.
     
  • Regelmässig Zeit für das gemeinsame Spiel mit dem Kind einplanen (bei grösseren Kindern z.B. für ein Gesellschaftsspiel).

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