Vorbereitung des Erstgeborenen auf sein Geschwisterchen

Mutter gibt dem jüngeren Kind zu essen während das Erstgeborene zuschaut.

Wie können Eltern ihr erstes Kind am besten auf die Geburt eines Geschwisterchens vorbereiten? Gibt es eine Möglichkeit, Eifersucht zu verhindern oder zumindest zu verringern?

von Redaktion Eltern Club Schweiz 2

Wenn Eltern ein zweites Kind erwarten, ist das erste Kind oft noch zu klein, um zu begreifen, was genau geschieht. Sobald sich der Bauch der Mutter zu runden beginnt, wird die Schwangerschaft fassbarer. Aber es bleibt für das Kind schwierig zu verstehen, dass da im Bauch ein Geschwisterchen heranwächst – und vor allem, was es bedeutet, ein Geschwisterchen zu bekommen. Trotzdem wird das Kind von Anfang an spüren, dass sich etwas verändert, und in irgendeiner Form reagieren. Manche Kinder werden beispielsweise besonders anhänglich oder wollen plötzlich nicht mehr allein schlafen. Sie spüren die Veränderung und reagieren darauf, indem sie besonders viel Halt und Geborgenheit bei den Eltern suchen.

Das Erstgeborene einbeziehen

Weil das erstgeborene Kind spürt, dass sich etwas verändert, ist es wichtig, es in die Schwangerschaft einzubeziehen. Bilderbücher zum Thema oder Besuche bei Freunden und Verwandten mit Babys können dem Kind helfen. Je nach Alter schlüpfen Kinder auch selbst in die Mutterrolle. Sie spielen «Schwangerschaft» und plötzlich sind Puppen oder Plüschtiere Babys, die sie herumtragen und umsorgen. Diese Rollenspiele helfen dem Kind zu begreifen, was passiert, und sind eine gute Vorbereitung auf die kommenden Ereignisse.

Gewohntes und Vertrautes aufrecht erhalten

Auch wenn es wichtig ist, das Erstgeborene miteinzubeziehen, sollen die Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt nicht zum alles beherrschenden Thema innerhalb der Familie werden. Es ist sehr wichtig, den gewohnten Alltag und die Rituale mit dem ersten Kind (zum Beispiel das Einschlafritual) aufrechtzuerhalten. Es gibt dem Kind Sicherheit, wenn möglichst vieles weitergeht wie gewohnt – sowohl in der Schwangerschaft als auch nach der Geburt.

Tipps für die Vorbereitung des Erstgeborenen auf die Geburt des zweiten Kindes:

  • Das Kind kann den Bauch der Mutter anfassen, daran horchen, die Bewegungen des Kleinen spüren.

  • Besuchen Sie nach Möglichkeit Freunde und Nachbarn, die eben ein Kind bekommen haben, damit Ihre Tochter oder Ihr Sohn eine Vorstellung davon bekommen, wie so ein kleines Baby aussieht.

  • Ein einfaches Bilderbuch zum Thema Baby kann hilfreich sein.

  • Das Spiel mit einer Puppe oder einem Plüschtier kann Ihrem Kind helfen, sich auf die Ankunft des Geschwisterchens vorzubereiten. Geben Sie der Puppe einen Namen und beziehen Sie sie in den Familienalltag ein.

  • Kleine Kinder zeigen unterschiedliches Interesse für das zukünftige Geschwister. Die einen möchten immer wieder davon sprechen, andere viel weniger. Nehmen Sie auf die Bedürfnisse Ihres Kindes Rücksicht, beobachten Sie, wie es reagiert.

  • Viele Frauen haben in den letzten Wochen der Schwangerschaft das Bedürfnis nach mehr Ruhe. Sie möchten sich dann gerne zurückziehen. Es wäre deshalb gut, wenn für das grössere Kind in solchen Zeiten andere Menschen da sind, die es liebevoll betreuen.

  • Ideal ist, wenn der Vater nach der Geburt einige Tage – besser noch ein bis zwei Wochen – beim ersten Kind zu Hause bleibt. So ist die Veränderung nicht allzu abrupt und die ganze Familie kann die neue Situation gemeinsam erleben. Ist dies nicht möglich, so sollte das ältere Kind von einer vertrauten Person zu Hause betreut werden, bis seine Mama aus dem Krankenhaus zurückkommt. Ein Ortswechsel kann zusätzliche Probleme mit sich bringen, muss aber nicht. Man sollte allerdings vermeiden, die Betreuungssituation unmittelbar nach der Geburt zu verändern und das Erstgeborene zum Beispiel erstmals in die Krippe zu bringen. Ihr Kind braucht Zeit, sich an die neue Familiensituation zu gewöhnen, und muss sich zuerst sicher sein, dass es in der neuen Konstellation noch immer genauso geliebt wird.

  • Geht Ihr Erstgeborenes bereits in die Krippe? Es kann sein, dass ihm das nach der Ankunft des Geschwisterchens schwer fällt. Falls es vorübergehend zu einer Krise kommt, sollten Sie diese mit den Betreuerinnen besprechen, Ihr Kind aber wie gewohnt in die Kindertagesstätte schicken. Den meisten Kindern vermittelt dieser vertraute Alltag zusätzliche Sicherheit.

Eifersucht lässt sich nicht vermeiden, aber mildern

Doch auch wenn Sie alles perfekt vorbereiten und richtig machen, lässt es sich häufig nicht vermeiden, dass ein erstgeborenes Kind eifersüchtig auf die Ankunft eines Brüderchens oder Schwesterchens reagiert. Das ist auch ganz normal. Rivalität und Eifersucht gehört zu jeder Geschwisterbeziehung, genauso wie Nähe und Vertrautheit. Eltern sollten sich aber bewusst sind, dass diese Eifersucht ein Ausdruck von Angst ist – Angst, die Liebe der Eltern zu verlieren – und entsprechend darauf reagieren. Geben Sie Ihrem Kind den Halt und die Zuwendung, die es bei der Ankunft eines Geschwisterchens ganz besonders nötig hat.

2Kommentare

  • MaP
    sagte am 23.05.2012 um 21:06 h:

    Als wir unseren Sohn bekommen haben war die Schwester knappe 2 Jahre alt. Sie hat noch nicht wirklich vestanden warum Mamas Bauch immer grösser wird und warum Mama plötzlich im Spital ist. Wir haben Ihr erklärt da kommt Dein Bruder zur Welt und wir haben ihr bei Ihrem ersten Besuch im Spital auch eine Puppe geschenkt. So ist auch sie zur Mami geworden Sie hat Ihre Puppe gewickelt wenn ich den Bruder gewickelt habe und war am Anfang auch ganz Mami so wie ich. Denke die Puppe hat Ihr geholfen die neue Situation leichter anzunehmen.

       
  • CarolH
    sagte am 26.05.2012 um 08:25 h:

    Wir haben unser, damals 2 1/2 Jahre alten Sohn, mit Hilfe eines Bilderbuches auf sein Bruder vorbereitet. Das Buch hat die schöne Kernaussage, dass nicht nur Mamis Bauch wächst, sondern auch ihr Herz!

       

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