Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Diese Aussage aus dem Volksmund offenbart eine Vorstellung, in der Familie vorbestimmt ist. Vater, Mutter und Kind – so sieht für viele eine Familie aus. Auch in den Medien, in den Schulen und in der Politik wird die traditionelle Kernfamilie als gesellschaftliche Norm immer wieder zum Vorbild genommen. Andere Familienformen, wie homosexuelle Paare mit Kindern, Patchworkfamilien oder Einelternfamilien gehen über den traditionellen Familienbegriff hinaus und provozieren in der Öffentlichkeit die Diskussion, wie eine Familie auszusehen hat.
Familie waren schon immer bunt
Es ist erst ein paar Generationen her, da hing das Leben an einem seidenen Faden. Junge Frauen starben im Kindbett. Eine einfache Grippe konnte tödlich verlaufen. Kriege rotteten Generationen junger Männer aus. Die Hinterbliebenen dieser Schicksalsschläge mussten ihre familiäre Situation neu ordnen. Ein Familienvater hielt nach dem Tod seiner Frau nach einer Stiefmutter für seine Kinder Ausschau. Manchmal übernahm die Grossmutter die Kindererziehung oder verwitwete Schwestern schlossen sich zusammen. Kurz: Die Familienkonstellationen waren generationenübergreifend, wechselhaft und vor allem sehr bunt. Doch wer würde diesen Menschen absprechen, dass sie in echten Familien lebten?
Respekt und Anerkennung für alle Familien
Der Familienbegriff, wie er heute definiert wird, ist nicht zementiert – und wandelt sich weiter. Familien bilden sich vielfältig. Eine Gemeinschaft, in der sich Menschen zugehörig und wohlfühlen, Liebe empfinden und weitergeben, Kinder erziehen und Verantwortung übernehmen, bildet den Kern einer Familie. Bereits heute wachsen in der Schweiz tausende von Kindern bei gleichgeschlechtlichen Eltern in sogenannten Regenbogenfamilien auf und gedeihen gut. Was es jetzt noch braucht, ist eine Bildungs- und Familienpolitik, welche die real existierenden, vielfältigen, Familien- und Lebensformen in der Gesellschaft besser anerkennt und eine Gesetzgebung, in der alle Familien adäquat berücksichtigt werden – zum Wohl der Eltern und der Kinder.
Vielfältige Familien- und Lebensformen sind die zentralen Themen der Fachtagung «All Families Matter», welche am 7. Juni 2013 an der Uni Zürich vom Dachverband Regenbogenfamilien organisiert wird. Weitere Informationen unter www.allfamiliesmatter.ch
| Marco Fritschi ist ein junger schwuler Mann mit Kinderwunsch. Für ihn sind die Gleichstellung der homosexuellen Lebensform sowie eine modernde Familienpolitik wichtige Themen. Als Mitglied des Dachverbandes Regenbogenfamilien setzt er sich aktiv dafür ein. Der Dachverband vertritt die Interessen der Regenbogenfamilien in der Schweiz gegenüber Politik, Behörden, Öffentlichkeit www.regenbogenfamilien.ch |














