Wohin steuert die Institution Familie?2

3-Generationen-Familie schaut nach oben
von Rita Angelone | 01.10.2012

Das Bild der Idealfamilie ist geprägt von der Vorstellung eines berufstätigen Vaters, einer Mutter als Hausfrau und idealerweise zweier Kinder. Doch die Realität sieht anders aus und Zukunftsprognosen deuten auf weitere, einschneidende Veränderungen hin.

Längst entspricht diese Familienform nicht mehr der Realität: Beziehungen entwickeln sich heute dynamischer, Scheidungsraten steigen und Ein-Eltern- und Patchwork-Familien sind weit verbreitet. Auch sozialpolitische Rahmenbedingungen, die sich an traditionelle Familienmodelle richten, stimmen nicht mehr mit den Tatsachen überein. Eine aktuelle Studie hat sich mit der Zukunft der Familien in den OECD-Ländern bis ins Jahr 2030 auseinandergesetzt. Im Zentrum der Überlegungen stehen Menschen, die 2030 ins Pensionsalter kommen. Für sie könnte das veränderte Familienleben unangenehme Folgen haben –  zumindest unter den jetzigen politischen Rahmenbedingungen.

Familiäre Unterstützung oder Autonomie

Die Politik geht heute von einer familiären Unterstützung in der Altenpflege aus, doch diese Annahme wird durch die gesellschaftliche Entwicklung in Frage gestellt. Auch künftig wird es Solidarität geben, doch neben der Familie werden sich auch andere Solidargemeinschaften entwickeln. In der Altenpflege könnte eine Pflegeversicherung nach dem Prinzip der Krankenversicherung eingeführt werden: Wer im Alter auf seine Familie zählt und darum auf einen umfassenden Anspruch auf Pflegeleistung verzichtet, bezahlt tiefere Prämien als diejenigen, die auf Autonomie setzen. Denkbar ist der Einsatz von Robotern in der Pflege, beispielsweise um Blutdruck zu messen oder Mahlzeiten warm zu machen. Im Gegensatz zu unseren Breitengraden ist dies in Japan bereits eine normale Vorstellung.

Familienübergreifende Kinderbetreuung koordinieren

Mittels kantonaler Unterstützung in Sachen Räumlichkeiten, Organisationsberatung und technische Infrastruktur, könnte eine familienübergreifende Betreuung besser koordiniert werden. Mehrere Familien könnten so abwechslungsweise auf mehrere Kinder aufpassen. Solche Modelle entsprechen heutigen familiären Beziehungsformen besser und senken gleichzeitig die hohen Kosten für externe Betreuungsformen. Der Zugang zu sozialen Dienstleistungen sollte flexibilisiert werden und auch Personen jenseits der traditionellen Familie offen stehen. Denkbar wäre, den Anspruch auf Elternschaftsurlaub zum Beispiel an rüstige Grosseltern oder engagierte Nachbarn weiterzugeben, wenn die Eltern diesen nicht selber beanspruchen wollen.

Soziale Experimente

In Städten mit vielen familienreichen Wohngenossenschaften gibt es Spielraum für soziale Experimente, welche die Familie der Zukunft unterstützen können. Das heutige Bild der Idealfamilie muss zugunsten eines flexibleren Gefüges revidiert werden. Die Zukunft wird noch mehr nach individuellen Lösungen verlangen als dies heute schon der Fall ist.


Was meinen Sie zu diesem Thema? Welche Gedanken lösen diese Zukunftsszenarien bei Ihnen aus?


Quelle: Eine Zukunft ohne Familie, Klaus Haberkern, magazin Die Zeitschrift der Universität Zürich, Nummer 2, 2012

 

Rita Angelone ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern im Alter von vier und sechs Jahren. Sie schreibt jede Woche im Tagblatt der Stadt Zürich über den ganz normalen Wahnsinn ihres Familienalltags und gibt unverblümt zu, dass das Schwangersein viel einfacher war als das Kinderhaben. Rita Angelone führt ihren eigenen Familienblog «Die Angelones» und bloggt regelmässig für den wir eltern-Blog und die Familienplattform familienleben.ch.

 

 

2Kommentare

  • MaP
    sagte am 04.10.2012 um 19:22 h:

    Glaube wir müssen die Idealfamilie neu definieren und auch das demographische Altern unserer Gesellschaft mit einbeziehen. Unsere fitten ALTEN sollten Ihr Wissen und Ihre freie Zeit ruhig mit den gestressten, von Rollenkonflikten geplagten Allroundmüttern koordinieren und heraus kommt ein neues Familienbild der mehrgenerationen Gedanken! Die Alten helfen den Jungen und umgekehrt, klingt doch gut oder etwa nicht?

       
  • Millie
    sagte am 05.10.2012 um 19:42 h:

    Wie auch immer: zentral sind die Beziehungen, für die Alten wie für die Jungen, für die voll Berufstätige wie für die Kranken. Roboter mögen gewisse Dienste übernehmen, aber gut geht es uns nur, wenn wir Beziehungen pflegen können und sei es beim täglichen Blutdruckmessen.

       

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